
Es ist so weit: Das erste Exemplar meines Fotobuchs ist in Druck gegangen.
Über 370 Bilder auf mehr als 250 Seiten erzählen von meinen Reisen in die Sperrzone. Einem der tragischsten und zugleich faszinierendsten Orte der modernen Geschichte. Ein stiller Dialog: zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Zerstörung und Leben. Dieses Buch zeigt Orte, die seit 1986 scheinbar stehen geblieben sind. Und erzählt von Menschen, deren Leben sich für immer verändert hat.
In Kürze gibt es alle Details, wie ihr euch euer Exemplar sichern könnt. Erscheinungstermin ist der 26. April 2026.

Tschornobyl war der Anfang vom Ende der UdSSR.
Dieses Zitat wird Michail Gorbatschow zugeschrieben. Die Bewältigung der Katastrophe band enorme Ressourcen. Mittel, die an anderer Stelle fehlten und ein ohnehin angeschlagenes System zusätzlich unter Druck setzten. Die UdSSR wurde am 26. Dezember 1991 offiziell aufgelöst. Einen Tag zuvor trat Gorbatschow als Präsident zurück, die sowjetische Flagge wurde über dem Kreml eingeholt.
Das Kernkraftwerk trug ursprünglich den Namen W. I. Lenin Tschornobyl, benannt nach Wladimir Iljitsch Lenin, dem Gründungsführer der UdSSR. Geplant war ein Ausbau auf elf Reaktoren. Es sollte zum größten Atomkomplex der Welt werden.

Warum fährt man nach Tschornobyl (ukrainisch)?
Diese Frage wurde mir oft gestellt. Verlassene Orte üben eine besondere Faszination auf mich aus. Fotografisch anspruchsvoll, atmosphärisch dicht und voller Geschichten, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen. Die Sperrzone wirkt wie eine Verschiebung in das Jahr 1986. Zerfallene Gebäude, verlassene Wohnungen, leere Schulräume und überwucherte Plätze. Vieles erscheint eingefroren – und zugleich in Bewegung. Denn die Natur holt sich ihren Raum zurück, zwischen Beton und rostendem Stahl wächst neues Leben. Die Atmosphäre bleibt schwer greifbar: zwischen dokumentarischer Distanz, historischem Bewusstsein und persönlicher Betroffenheit.

Eine Traumreise? Ja – und doch mehr als das.
Als sich die Gelegenheit ergab, die Sperrzone zu besuchen, war es weniger Neugier als eine schwer greifbare Anziehung. Die Atmosphäre vor Ort, geprägt von Stille, Zerfall und Geschichte, wirkt unmittelbar. Tschornobyl ist ein Ort voller Spannungen. Die Ruinen von Prypjat, der weiterhin kontaminierte Reaktor und eine Natur, die sich ihren Raum zurückholt, stehen nebeneinander. Eine Heterotopie – zugleich Mahnmal technologischen Scheiterns und Ausdruck menschlicher Resilienz. Diese Bilder sind der Versuch, diese Gleichzeitigkeit sichtbar zu machen.

Dieses Fotobuch verbindet persönliche Eindrücke mit historischen Informationen, ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Die gezeigten Bilder und Texte verstehen sich als Annäherung an ein Ereignis, das bis heute nachwirkt. Die Aufnahmen sollen weder dramatisieren noch ästhetisieren, sondern sichtbar machen, was geblieben ist.

Meine Besuche in der Sperrzone fanden 2017 (drei Tage) und 2019 (fünf Tage) statt. Zu einer Zeit, in der Reisen dorthin noch unkompliziert möglich waren. Heute gilt die Zone offiziell als nicht zugänglich. Personen, die sich ohne Genehmigung dort aufhalten, werden als „Stalker“ bezeichnet. Erfahrungen aus vergleichbaren Regionen zeigen, dass eine Öffnung, wenn überhaupt, nur sehr langsam erfolgt. Die Risiken bleiben – und mit ihnen die Unsicherheit. Ob die Sperrzone jemals wieder touristisch zugänglich sein wird, bleibt offen.
Zum 40. Jahrestag soll dieses Fotobuch dazu beitragen, Erinnerungen zu bewahren.

Ein Teaser-Video findet ihr auf Instagram, einfach unten auf das Icon klicken. Das ist ein privates Profil, bitte schickt mir gerne eine Anfrage.
Im Zuge der Arbeiten an meinem Fotobuch bin ich wieder tief in das Thema eingetaucht. Aus Neugier, aber auch mit einem nüchternen Blick auf aktuelle Entwicklungen. Dabei ist einiges zusammengekommen, das über alte Bilder hinausgeht. Genau daraus entsteht diese kleine Serie: „Neues aus der Sperrzone“. Hier fasse ich die wichtigsten Entwicklungen kompakt zusammen – mit Fokus auf das, was sich gerade verändert.
Für alle, die noch nicht genug haben, hier noch ein paar ältere Arbeiten auf YouTube.
