In letzter Zeit werde ich öfter nach dem Preis meines Fotobuchs „Tschornobyl Diaries“ gefragt. 249 Euro. Und ja, manchmal kommt darauf ein: „Das ist aber teuer.“ Und ehrlich gesagt: Ich verstehe das.
Ich halte dann meist kurz inne – und denke mir: Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Gleichzeitig stelle ich meinem Gegenüber eine einfache Frage: Was ist ein Herzensprojekt wert, das über neun Jahre entstanden ist?
Zwei Reisen in die Ukraine. Private Touren und viele Tage vor Ort. Tausende Eindrücke. Über 8.000 Bilder, die gesichtet, sortiert und reduziert wurden – auf rund 370, die es am Ende ins Buch geschafft haben. Dazu etwa 500 Stunden Arbeit, größtenteils in der Freizeit. Stunden, in denen man zweifelt, verwirft, neu beginnt. Es gibt 20 Exemplare. Mehr nicht. Und 20 Prozent des Reinerlöses gehen bewusst an einen karitativen Zweck.
Ich habe lange überlegt, welcher Preis dazu passt. Am Ende ist es eine Mischung aus Aufwand, Limitierung und dem Versuch, dem Projekt selbst gerecht zu werden. Die eigentliche Frage ist für mich deshalb nicht: Ist das teuer? Sondern: Wie bewertet man etwas, das nicht wiederholbar ist? Ob das für jemanden stimmig ist, lässt sich schwer pauschal sagen. Aber vielleicht reicht es, sich einen Moment Zeit zu nehmen und es für sich einzuordnen.
Nach diesem Moment kommt oft ein: „Ich überlege es mir.“ Und genau das ist völlig in Ordnung.
Warum ein Buch?
Eine weitere Frage war, warum ich dieses Projekt als Buch umgesetzt habe – und nicht digital, wie so vieles andere von mir. Ein Teil der Antwort liegt genau darin. Gerade weil ich oft digital arbeite, wollte ich diesem Projekt einen anderen Rahmen geben. Einen, der bleibt.
In der Sperrzone selbst wurde mir das noch einmal deutlich. Zwischen den Ruinen, in Wohnungen, Schulen und verlassenen Gebäuden lagen überall Bücher. Manche aufgeschlagen, manche achtlos verteilt. Staubig, beschädigt, teilweise zerstört – und trotzdem noch da. Während vieles um sie herum längst zerfallen ist, sind sie geblieben.
Das hat etwas in mir ausgelöst. Diese stille Form von Beständigkeit. Dieses Dasein ohne Strom, ohne Technik, ohne Abhängigkeit. Ein digitales Werk verschwindet leise. Ein Buch nicht. Es bleibt. Es altert. Es trägt Spuren. Vielleicht war genau das der Moment, in dem die Entscheidung gefallen ist. Diese Geschichte braucht ein Medium, das selbst bestehen kann.

